Tierkrankengymnastik-Berlin Martina Schatz-Heinrich

Dogge Mary

 

Die Situation erschien aussichtslos, als mich Herr Klein in meiner Praxis anrief und von seiner Hündin berichtete.

 

Mary war am 3.März  wegen eines Wobbler-Syndromes an der Halswirbelsäule operiert worden. Es handelt sich hierbei um eine meist erblich bedingte Einengung des Rückenmarkes im Bereich der Halswirbelsäule verursacht durch ein Verschieben der Wirbelsegmente. Das Tier zeigt in der Vorgeschichte Gleichgewichtsstörungen meistens zunächst in der Hinterhand, später dann auch in der Vorderhand bis hin zu Stehunfähigkeit.

Bei der Hündin zeigte sich vor der OP eine Hinterhandschwäche mit Gleichgewichts-problemen. Mary konnte derzeitig aber noch laufen. Nach der OP dann der große Einbruch mit absoluter Stehunfähigkeit, ausgeprägten Gleichgewichtsstörungen, Lähmung der Vorderläufe, Schwierigkeiten den Kopf zu halten, keine Funktion der Rute.

 

So fand ich den Hund zu meinem ersten Hausbesuch  3 Wochen nach der OP vor. Zusätzlich zu den motorischen Störungen kamen Schwierigkeiten durch die lange Immobilität des 70 kg schweren Hundes hinzu. Durch das lange Liegen war das gesamte Organsystem in Mitleidenschaft gezogen. Die Nierenfunktion drohte zusammenzubrechen, da der Hund nur schwer in einem Gehgestell aufzustellen war, um wenigstens Wasser lassen zu können. Die Lungenfunktion war durch die verminderte Bewegungsfähigkeit des Hundes und dadurch schlechte Belüftung der Lunge beeinträchtigt, so dass sich eine Lungenentzündung anbahnte.

 

Ein Therapiekonzept wurde erstellt, welches auch die Tierbesitzer im täglichen Umgang mit dem Hund einbezieht. So musste der Hund ständig gewendet werden, damit sich keine Druckstellen an Haut und Gewebe bildeten und damit die Lunge besser belüftet ist. Das Tier wurde nach einem genauen Zeitplan im Gehwagen aufgestellt, um die Durchblutung anzuregen, die Lungenfunktion und -belüftung zu verbessern und natürlich damit der Hund im Stehen sich lösen und wasserlassen konnte.

 

Die Besitzer erlernten in der Krankengymnastik bestimmte Massagetechniken und wurden unter fachlicher Anleitung geschult das Tier regelmäßig durchzubewegen.

2 bis 3 mal pro Woche erfolgte per Hausbesuch die Krankengymnastik mit entsprechenden Mobilisierungstechniken, Gleichgewichtstraining, Wahrnehmungsschulung.

 

Zu Beginn der Therapie stellte sich besonders kritisch die schlechte psychische Verfassung des Tieres dar. Dadurch war es nur schwer möglich, den großen Hund auf die Beine zu bekommen und zu Aktivität zu animieren. Mary hatte einfach keinen Lebenswillen mehr. Sie wollte weder essen noch trinken – einfach nur noch liegen bleiben.

 

Hier brachte der Einsatz der Akupunktur große Erfolge, eine Kehrtwende im Verhalten des Tieres herbeizuführen. Die Hündin zeigte innerhalb weniger Tage nach der ersten Nadelung mehr Anteilnahme und Interesse, begann wieder Nahrung aufzunehmen und ließ sich bereitwillig im Gehwagen aufstellen.

 

In kleinen Etappen lernte der Hund innerhalb der nächsten 3 Monate aus der absoluten Passivität vom Liegen zum Sitzen in den Stand zu kommen. Jede Bewegung musste neu erlernt und angebahnt werden von der größtmöglichen Unterstützung durch den Therapeuten bis zum freien Stehen und Gehen.

 

Die ersten vorsichtigen Schritte ohne Gehwagen erfolgten nach 10 bis 12 Wochen Therapie. Heute, nach einem Jahr läuft die Hündin selbständig, spielt und rennt mit den anderen Hunden und ist mit 9 Jahren noch sehr lebensfroh. Eine leichte Fehlstellung der Vorderpfote und dadurch leichtes Hinken sind im Gangbild noch zu erkennen und werden bestehen bleiben.