Tierkrankengymnastik-Berlin Martina Schatz-Heinrich

Zwergpinscher Elfi

 

Die Pinscherhündin Elfi war für ihre Rasse extrem klein. Das machte sie für Züchter und Liebhaber dieser Rasse zwar interessant, wurde allerdings zu einem Problem, wenn es um Gelenkerkrankungen geht. Der kleine Hund lief seit Januar 2004 dreibeinig. Dann im März ohne ersichtlichen Grund fing der Hund an zu jammern. Der Tierarzt erklärte der Besitzerin, dass dieses eine „Macke“ dieser Rasse wäre und kein Grund zur Besorgnis. Er verschrieb ein  Knochenaufbaupräparat.

 

Nach mehreren Monaten erfolgte keine Veränderung des Gangbildes und Frau Walter entschloss sich eine andere ärztliche Meinung einzuholen. Im Dezember 2004 wurde das Tier wegen einer Kniescheiben-Luxation operiert.

 

So kam die Besitzerin Frau Walter 3 Wochen nach der Knieoperation ihres 2 ½ Jahre alten Hundes zu mir in die Praxis. Der Hund lief derzeitig immer noch 3beinig.

 

Bei der ersten Untersuchung konnte ich durch verschiedene Knietests die Stabilität des Knies bestätigen. Die Operation und auch die Wundheilung waren ohne Komplikationen gut verlaufen. Aber schon bei der ersten Inspektion des Hundes wurde die veränderte Körperhaltung deutlich. Durch die langanhaltende Zeit der Schonhaltung und insbesondere die völlige Entlastung des verletzten Beines hatten sich Veränderungen im Muskel-Skelettsystem manifestiert, die eine Schonhaltung zusätzlich fixierten, die der Hund nicht mehr selbst beeinflussen konnte.

 

Muskelgruppen im Wirbelsäulenbereich zeigten Verspannungen. Eine starke Lordosierung der Lenden- und Brustwirbelsäule durch das Entlastungshinken verstärkte die Verspannungen noch zusätzlich und verursachte Schmerzen. Die Kniestabilisierende Muskulatur sowie Haltemuskulatur des Beckens und der Hinterläufe waren stark abgebaut und teilweise verkürzt, so das diese nicht mehr ausreichend Kraft zur Stabilisierung entwickeln konnten. Verkürzte Bänder und Sehnen behinderten die Beweglichkeit des Kniegelenkes.

 

Die krankengymnastische Therapie bestand darin, die reduzierte Muskulatur aufzutrainieren, verkürzte Muskeln und Sehnen zu dehnen und das betroffene Kniegelenk zu mobilisieren.

Um ein physiologisches Gangbild zu erreichen mussten aber auch die angrenzenden Gelenke, wie Hüft-, Sprung- und Zehengelenke mobilisiert werden.

 

Mit Traktion aus der Manuellen Therapie versucht der Therapeut im Wirbelsäulenbereich die Wirbelsegmente in eine physiologische Richtung zu manipulieren, um die Wirbelsäule zu strecken. Massagegriffe aus der klassischen Massage sowie Akupressur der Triggerpoints (schmerzhafte Druckpunkte) lösen die Muskelverspannungen.

 

Die Mitarbeit der Hundebesitzerin unterstützt auch hier den Heilungsprozess. Unter fachlicher Anleitung lernen die Tierbesitzer einfache Massagetechniken aus der Tellington-Therapie an ihrem Tier anzuwenden. In der Bodenarbeit in Kleingruppen von 2 bis 3 Hunden lernen die Hundebesitzer ihren Hund zu einem gesunden physiologischen Gangbild zu verhelfen. Neue Bewegungsmuster werden in kleinen Hindernissen und einfachen Übungen angebahnt. Der Hund setzt seine vier Beine wieder koordiniert und unter gleichmäßiger Belastung ein.

In Elfis Fall konnten erste Erfolge bereits nach 2 Therapiestunden verzeichnet werden. Die Hündin lief nur noch selten dreibeinig. Bei konzentriertem Laufen zeigte sie gute Fortschritte, nur wenn es schnell gehen sollte und der Spieltrieb bei diesem jungen Hund Oberhand gewann, lief sie noch auf 3 Beinen.

 

Nach weiteren Therapie-Einheiten in der Krankengymnastik sowie Bodenarbeit konnte auch dieses Problem schnell behoben werden.

 

Ein Therapiekonzept von 8 bis 10 krankengymnastischen Sitzungen reicht in diesen relativ leichten Fällen oftmals aus, um dem Tier wieder zu einem fließenden Gangbild zu verhelfen.